Verbesserung der Kommunikation
Verbesserung der Arzt-Patientenbeziehung durch Kommunikation
Manchen ÄrztInnen gelingt es, natürlich und schnell Kontakt zu ihren Patienten aufzunehmen. Sie strahlen etwas aus, das Vertrauen schafft und eine Beziehung aufbaut. Dies ist u.a. die Voraussetzung dafür, um beispielsweise in der Anamnese die wichtigsten Informationen rasch zu erhalten - ohne das Gefühl von Zeitknappheit zu vermitteln. Auch für die spätere Compliance im Behandlungsprozess wird jetzt der Grundstein gelegt – oder für Beschwerden, die ggf. sogar in juristische Klagen münden können.
Dass es mit der kommunikativen Kompetenz von ÄrztenInnen oft nicht so weit her ist, ist den meisten von uns aus eigenen Erfahrungen im Kollegenkreis , als Angehöriger oder gar als Patient schon bekannt und wird in Gesprächen in Kliniken oft bestätigt. Und wir haben auch schon wahrgenommen, dass es hier offenbar nicht nur um erlernbares Können geht, sondern auch um etwas tieferes, wichtigeres, nämlich um die innere Haltung dem anderen Menschen und sich selbst gegenüber. Diese kann man weniger lernen, jedoch bei hinreichender Selbstreflexivität kennenlernen und ggf. verändern.
Eine 2010 veröffentlichte Studie von H. Brock et al. (H. Brock, K. Luger, K. Moser, H. Mackinger, „Selbsteinschätzung des Arztes als ein Prädiktor für die Beziehungszufriedenheit stationärer Patienten“, Gesundh.ökon.Qual.manag.2010; 15; 296-301)aus Linz ist diesem Themaauf den Grund gegangen.
Es wurden mittels einer systematisierten Befragung mit 84 Ärzten und 1080 Patienten untersucht, ob und inwieweit die Selbstbeurteilung der Ärzte hinsichtlich ihrer Kommunikation mit Patienten eine Vorhersage der Qualität der Arzt-Patienten-Beziehung aus der Sicht der Patienten ermöglicht.
Die die Studie begleitende Literaturrecherche brachte zu Tage, was gemäß verschiedener Untersuchungen Bestandteil guter Arzt-Patient-Kommunikation ist. Es fängt an mit der Begrüßung und umfasst weiterhin Aufmerksamkeit, Blickkontakt, Erklärungen, verständliche Sprache bis hin zur persönlichen Ermutigung. In einer experimentellen Versuchsanordnung wurde ein patientenorientierter (Interesse an Person, offen, zugewandt)und ein biomedizinischer (direkt, sachlich, knapp, faktenorientiert)Kommunikationsstil gegenübergestellt.Es konnte ein direkter, signifikanter Zusammenhang zwischen „Behandlung mit Würde“ (dignity) und „Einbeziehung in Entscheidungsprozesse“ auf die Patientenzufriedenheit und Compliance hergestellt werden. Weitere valide Prädiktoren für Patientenzufriedenheit waren aktives Informieren, hinreichende Gesprächsdauer, Zuhören, Freundlichkeit und Höflichkeit.
Im Ergebnis der Linzer Studie konnten 29 % der Varianz der Beziehungsqualität durch die ärztliche Selbstcharakterisierung hinsichtlich kommunikativer Verhaltensweisen vorhergesagt werden, während zu den weiteren 70 % Varianzquellen wie Stimmung, subjektives Empfinden, Patientenpersönlichkeit, Vorerfahrungen, Ruf von Krankenhaus und Arzt etc. gehörten.Die höchsten Korrelationen ergaben sich für die Items „Patienten in Entscheidungen einbeziehen“, „Patienten reden lassen, ohne sie zu unterbrechen“, „Mit dem Patienten die nächsten Schritte besprechen“ und „Den Patienten meine Anteilnahme und mein Bemühen vermitteln“.
Einer der interessantesten Befunde ist jedoch für uns, dass die Selbstcharakterisierung des ärztlichen Kommunikationsverhaltens in erheblichem Maße die von den Patienten erlebte Beziehungsqualität voraussagt.
Schon Robert A. Wilson hat in seinem Kultbuch der 80iger„Der neue Prometheus – die Evolution unserer Intelligenz“ postuliert, dass wir in unserem Kopf einen „Denker“ und einen „Beweisführer“ haben. Und was der Denker denkt, wird unser Beweisführer beweisen. Andere nennen das die „Self-Fulfilling-Prophecy“. Offenbar hat unsere eigene Überzeugung und das, was wir denken, einen erheblichen Einfluss auf unsere Ergebnisse und die von uns geschaffene Wirklichkeit. Diese Überlegungen sind auch Basis für die Annahmen des „radikalen Konstruktivismus“, der als Modell für viele Veränderungsprozesse herangezogen wird und Gegenstand eines der nächsten Praxistipps sein wird.
Die Literaturliste der o.g. Linzer Krankenhausstudie zitiert verschiedene Arbeiten, nach denen die Wirksamkeit von Gesprächs- und Kommunikationsseminaren mit Ärzten belegt ist. Es nutzt die beste Fortbildungsmaßnahme oder ein Literaturstudium nichts, wenn nicht eine innere, den Menschen zugewandte Haltung, einer guten Kommunikation zu Grunde liegt.
Wir würden uns freuen, wenn wir Ihnen einen Überblick über die Praxisrelevanz der vorliegenden Arbeit zur Kommunikation gegeben und dabei möglicherweise Ihr Interesse für die Entwicklung einer besseren Kommunikation geweckt zu haben.
Dr. Stefan Drauschke
Informationen zur Studie sind unter den folgenden Links abzurufen:
http://www.schaffler-verlag.com/qu_artikel_dl/100114.pdf
https://www.thieme-connect.com/ejournals/abstract/gesqm/doi/10.1055/s-0028-1109410
